Vorzeitiger Samenerguss – oder: Wenn man(n) nicht lange kann…

9. April 2013 | Von | Kategorie: Sexualität

Die Sexfilm-Industrie backstage

Die Sexfilm-Industrie will uns weismachen, dass Männer von Natur aus wahre Wunderknaben im Liebesspiel sind. HealthTimes gibt hier zu bedenken, dass Schnitt, Pausen und Szenenwiederholungen in der Natur eines jeden Spielfilms und somit auch in der eines Sexfilms liegen. Der Betrachter kann Schnitte und Drehpausen bloß nicht ausmachen und zollt den männlichen Akteuren Hochachtung für ihre Leistungen. Männliche Darsteller sprechen von einem ungeheuren Leistungsdruck, von Versagensängsten und von der missbräuchlichen Viagraeinnahme über das ärztlich empfohlene Maß hinaus.
Unter die Bettdecke geschaut

Wussten Sie übrigens, dass der Durchschnittsmann bei vaginalem Verkehr im Schnitt nach etwa fünf Minuten ejakuliert? Sie können “es” 15 Minuten lang? Auf den eben genannten Durchschnitt bezogen bedeutet dies, dass eine Vielzahl von Männern schon nach 45 bis 60 Sekunden “Erster!” ruft. Keine filmreife Leistung, möchte man da meinen, dafür aber knallhare Realität.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben…, und wer zu früh kommt, den bestraft die Frau?

Kriegt derjenige, der das  maskuline “Ich will der Erste sein” auch (ungewollt) beim Sex praktiziert, zwangsläufig Ärger mit seiner Partnerin? Sexualpsychologen sagen heute, dass ein behandlungsbedürftiger vorzeitiger Samenerguss erst dann einer ist, wenn er die Partner stört. Mag Ihre Partnerin gerne ein erotisches Vorspiel, dass sie bis an die Grenzen treibt, dann sind 60 Sekunden “in” ihr zum Ende vielleicht genau die richtige Zeit, um dem ganzen ein Sahnehäubchen aufzusetzen. Sie haben sich lieb, und Sie kommen beide auf Ihre Kosten.

Was aber, wenn man(n) unter einer Art “American Pie-Syndrom” leidet: Er berührt sie zärtlich, sie stöhnt und er kommt? Oder wenn ihn schon das Gefühl beim Eindringen in die Vagina übermannt? Und was ist, wenn Ihre Partnerin zu der Sorte Frau gehört, die ein noch so einfallsreiches Vorspiel zwar nett oder sogar prickelnd findet, aber bei der sich Erregung und Organsmus aber einzig und allein vaginal aufbauen?

Übung macht den Meister

Dieser Wahlspruch gilt auch hier.  Beim Üben, das hat uns schon die Erfahrung während der Schulzeit gelehrt, waren wir weniger aufgeregt als vor oder während einer Klassenarbeit. Und je intensiver wir geübt haben, desto selbstbewusster und optimistischer haben wir den Klassenraum oder Klausursaal betreten. Üben heißt in diesem Fall, Gefühl für den eigenen Körper, genau genommen für den Bereich zwischen Bauchnabel und Kniescheibe und noch genauer für die eigene Stoßkraft zu entwickeln.

Teamwork

Beste Voraussetzung ist für den Erfolg der Übungen ist meines Erachtens eine feste verständige Partnerin, und der Autor outet sich an dieser Stelle als bekennender Monogamist.

Beide nehmen sich vor, Sex zu üben. Dies sollte zusammen mit Ihrer ebenfalls nackten Partnerin zunächst in “Handarbeit” geschehen. Die Frau nimmt sich Ihres Gemächts unter Verwendung eines Gleitmittels an, Sie selbst wiederum sitzen, stehen oder liegen nicht wie ein Statist da und sehen zu, sondern bewegen aktiv wie beim vaginalen Sex ihre Hüften. Legen Sie allen Erfolgsdruck und Ängste vor dem Versagen ab – Sie “tun” es ja nicht, Sie üben nur. Konzentrieren Sie sich nicht auf Ihren eregierten Penis, sondern erspüren Sie die Kraft Ihrer Hüftbewegungen. Und unterhalten Sie sich dabei – auch das entspannt! Das Gleitmittel ist übrigens ein wichtiges Hilfsmittel bei diesen Übungen! Eine trockene Hand führt zu einer Überreizung mit infolge schneller Ejakulation und hat zudem nichts mit einer feuchten Vagina gemein.

Erleben Sie ganz bewusst die Zeit vor dem Samenerguss, nehmen Sie die körperlichen Reaktionen wie das Zusammenziehen der Muskulatur zwischen Hoden und Anus wahr und “kommen” Sie! Kommen Sie solange und sooft, bis Sie ein Gefühl dafür haben, wo Ihr “Point of no return” liegt, der Punkt, an dem Sie einen Samenerguss nicht mehr aufhalten können. Erst im Folgenden arbeiten Sie mit Ihrer Partnerin daran, die Hüftarbeit rechtzeitig zu unterbrechen und eben nicht zu ejakulieren. Kurze Pause, Erregung abflauen lassen und weiter mit der Hüftarbeit… so oft wie Sie können. Nehmen Sie die Möglichkeit, den Point of no return zu überschreiten als gegeben hin und bleiben Sie locker. Allein die ersten Übungen, bei denen es darum ging, die Zeit vor dem Samenerguss wahrzunehmen, die Übungen also, bei denen Sie einfach und ohne Leistungsdruck gekommen sind, dürften schon dazu geführt haben, dass das Kopfkino nachgelassen hat.

Nehmen Sie sich Zeit und schauen Sie nicht auf die Uhr

So wie Rom nicht an einem Tag erbaut wurde und wie sich für eine Abiturklausur auch nicht an einem Abend lernen lässt, so benötigt auch das Üben des vaginalen Verkehrs Zeit.  Seien Sie großzügig, geben Sie sich ruhig ein paar Wochen Zeit, in denen Sie regelmäßig, ein-oder zweimal täglich ernsthaft gemeinsam üben. Ein enger Zeitplan macht wiederum Druck. Und schauen Sie beim Üben nicht auf die Uhr, denn Befragungen zufolge wird die Zeitdauer vaginalen Sexes subjektiv ganz anders wahrgenommen: Viele interviewte Frauen und Männer, die die Dauer ihres vaginalen Verkehrs zum Beispiel auf 10 bis 15 Minuten schätzten, waren erstaunt, dass er streng nach der Uhr nicht einmal die Hälfte der Zeit dauerte.

Erhöhen Sie nach und nach die Anforderungen

Wenn Sie Ihren Körper besser kennen gelernt haben und es rein subjektiv (und vermutlich auch objektiv) länger dauert, bis sie an den sogenannten Point of no return gelangen, dann verschärfen Sie die Spielregeln: Ihre Partnerin könnte die eingecremten Hände massierend bewegen, und wenn Sie diese Variante “meistern”, könnte Sie Ihnen den Mund anbieten, einen üppig mit Gleitcreme vorbehandelten Busenspalt und schließlich ihre ebenso vorbereitete Pofalte und ihren Schritt (nicht die Vagina!). Vergessen Sie niemals, sich dabei locker zu unterhalten! Und vergessen Sie niemals, sich aktiv zu bewegen. Gewöhnlich ist es doch so, dass die erregte Frau sich mitbewegt, weil sie durch die Kraft der männlichen Hüften erregt wurde.
Nutzen Sie das spürbare Nahen des Point of no return ganz bewusst zu einem Stellungswechsel – auch das ist eine Art von Pause – und machen Sie dann weiter. Zu gutert Letzt sollten Sie all dies noch üben, während Ihre Partnerin stöhnt.

Das falsche Versprechen der Kegelmuskelübung

Immer wieder liest man(n) von der sogenannten Kegelübung. Es handelt sich hierbei um eine Technik, mittels der der sogenannte Kegelmuskel am Beckenboden gestärkt werden und damit eine Ejakulation unterbunden werden soll. Der über Monate trainierte Beckenboden kann in der Tat, wenn er bewusst zusammengezogen wird, die Ejakulation verhindern – wenn der Point of no return überschritten ist. Der Einsatz  eines gestählten Kegelmuskels dienst also nir dazu, zu retten, was noch zu retten ist. Durch Unterdrückung der Ejakulation können Sie Ihre Erektion aufrecht erhalten, bis Ihre Partnerin zum Höhepunkt kommt.
Kegelmuskelübungen – Anleitungen finden Sie im Internet – sind aber nicht dazu geeignet, einen wie auch immer gearteten vorzeitigen Samenerguss zu therapieren bzw. den Point of no return zeitlich nach hinten zu verlagern.

Ärztliche Hilfe

Wenn die genannten, über Wochen ernsthaft von Ihnen und Ihrer Partnerin parktizierten Übungen mit der zwangsläufig eintretenden Lockerheit und Gelassenheit nicht zum gewünschten Erfolg führen, sollten Sie sich nicht scheuen, einen Facharzt für Urologie aufzusuchen, damit eine organische Abklärung erfolgt.



1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (No Ratings Yet)
Loading ... Loading ...

Über den Autor dieses Artikels: Lukas Müller

Lukas Müller ist Redakteur des Gesundheitsmagazins "HealthTimes Online". Seine Aufgabe besteht darin, neue gesundheitsfördernde Produkte ausfindig zu machen, sie zu untersuchen und das Ergebnis anschließend der Redaktion zu präsentieren.

Schreibe einen Kommentar