Die Kilorien oder das Soll und Haben auf Ihren Hüften

27. April 2013 | Von | Kategorie: Diät, Ernährung

Wussten Sie schon, dass ein Idealgewicht immer vom vorherrschenden Ideal einer Gesellschaft bzw. einer Epoche abhängig ist? So gilt ein türkischer Mann in seiner Gesellschaft traditionell als wohlhabend, wenn er eine dicke Ehefrau hat. In der Renaissence waren die sogenannten Rubensschönheiten einfach hip. Und während der Ära der Magermodells werden viele junge Damen in die Anorexie und deren Eltern in den Wahnsinn getrieben.

Das Idealgewicht kann aber auch aus einer auf statistischen Werten beruhenden Meinung abgeleitet werden. So haben Ernährungsexperten statistische Erhebungen über das Gewicht älterer Menschen (ab dem 65. Lebensjahr) herangezogen und festgestellt, dass diese in der Regel mehr Gewicht auf die Waage bringen als jüngere Artgenossen. Zugrunde gelegt wurde hier ein bestimmtes Verhältnis vom Körpergewicht zur Körpergröße, Body Mass Index oder kurz BMI genannt, mit welchem berechnet wird, wie sich das jeweilige Körpergewicht auf einen Quadratmeter verteilt. Ein erwachsener Nicht-Rentner gilt mit einen BMI von mehr als 25 kg/m² als leicht übergewichtig, “normal” wäre ein BMI von 18,5 – 24,9 kg/m². Ein betagter Mensch dagegen, der nicht selbständig essen kann sondern auf die Hilfe Pflegender angewiesen, sollte idealerweise einen BMI von mindestens 24 kg/m² haben, weil ja rein statistisch ältere Menschen dicker sind (BMI 24,9 – 27).

Wer berücksichtigt dabei, dass ein Sportler mit einer Größe von 1,75 m und einem Gewicht von 80 kg einfach nur durchtrainiert und keineswegs übergewichtig ist? Wer berücksichtigt, dass eine Frau mit ausgeprägtem knöchernen Becken dieses ja auch irgendwie mit Gewebe umkleiden muss, und dass dazu auch keine Salzstangenbeine passen? Und wer sagt überhaupt, dass Sie übergewichtig sind? Sagen Sie es sich selbst? Sagt es Ihnen der Partner oder die Partnerin? Oder die Mode- und Reklamewelt oder ein anderer Trend? Wenn Sie diese Frage für sich geklärt haben und sich dafür entscheiden, an Körpergewicht zu verlieren, dann fangen Sie einfach mal an zu rechnen.

Der Grundumsatz und Aktivitätsfaktor

ist der Energieverbrauch Ihres Organismus und Körpers, der nötig ist, um alle Funktionen aufrecht zu erhalten. Der Grundumsatz bezieht sich allerdings auf das biologisch aktive Gewebe, nicht auf die stoffwechselinaktiven Kilorien auf Ihren Hüften. Nichtsdestrotrotz halten wir uns einmal an folgende Faustregeln:

Männer haben einen täglichen Grundumsatz von 1 kcal pro kg Körpergewicht pro Stunde.

Frauen haben einen  täglichen Grundumsatz von 0,9 kcal pro kg Körpergewicht pro Stunde.

Ab dem 30. Lebensjahr sinkt der der Grundumsatz pro Lebensjahr um etwa 3 Prozent. Dies erklärt zum Beispiel, warum ältere Menschen, die stets nach ihrer Gewohnheit essen, zunehmen.

Der Grundumsatz allein ist aber nicht das Maß der Dinge. Ihre Aktivität ist entscheident für Ihren täglichen Energiebedarf. Entsprechend wird der Grundumsatz

bei einem bettlägerigen Menschen                                           mit dem Faktor 1,2

bei einem überwiegend sitzenden Menschen                        mit dem Faktor 1,5

bei einem ausgewogen aktiven und ruhenden Menschen  mit dem Faktor 1,75

bei einem überaus aktiven Menschen                                      mit dem Faktor 2

multipliziert. Bei sehr starker Aktivität kann der Faktor auch höher als 2 sein. Merkmal ist hierfür, dass das gemessene Körpergewicht bei entsprechender Aktivität und Grundumsatz x 2 nicht gehalten wird.

In nackten Zahlen formuliert sieht das für einen 80 kg schweren Mann so aus:

80kg x 1 x 24 = 1920 kcal Grundumsatz, für einen Schwerstarbeiter bedeuten dies 3840 kcal, um sein Gewicht von 80 kg zu halten.

Gewichtabnahme durch Reduzierung des Aktivitätsfaktors

Wenn der oben genannte Schwerstarbeiter aber nur 1,56 Meter groß ist, dann schiebt er vermutlich einen irren Bauch vor sich her und schleppt außerdem noch ein ausladendes Gesäß mit sich herum.

Sollte er sich in seiner Haut nicht wohlfühlen, dann wäre eine langfristige Gewichtsreduktion dadurch möglich, dass dieser Mensch den Aktivitätsfaktor um eine Stufe reduziert und sein Essen somit auf einen Energiegehalt von 3360 kcal.

Da dieser Mensch sich beruflich ausreichend bewegt, ist weitere Bewegung durch Sport zum Beispiel nicht unbedingt erforderlich, obwohl sich dies auf die angestrebte Gewichtabnahme positiv auswirken würde.

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr

Sie kennen die Regel, nach der Menschen, die fasten, viel trinken müssen. Mancheiner meint, dies diente dazu, den Magen zu füllen und so den Hunger zu kompensieren. Das ist höchsten ein Nebeneffekt. Es geht vielmehr darum, dass  in jeder gewöhnlich zugeführten Kilokalorie etwa 1/3 Milliliter Flüssigkeit steckt. Wenn Sie normalerweise 2000 kcal zu sich nehmen, dann sind darin etwa 660 ml Flüssigkeit enthalten. Bei Vollfasten müssen Sie diese Menge zusätzlich zu ihrer Trinkmenge einnehmen. Bei Gewichtsreduktion sollten Sie ebenso die fehlende Flüssigkeit zusätzlich trinken: Bei einer Reduktion von 500 kcal sind dies etwa 165 ml.

Ihr Gesamtflüssigkeitsbedarf

berechnet sich anhand Ihres aktuellen Körpergewichtes.

Sie rechnen für die ersten 10 kg Ihres Gewichtes 100 ml Flüssigkeit pro kg, für die zweiten 10 kg rechnen Sie 50 ml pro kg und für für jedes weiter Kilo rechnen Sie 15 ml. Bei 80 kg bedeutet dies 1000 ml + 500 ml + 900 ml = 2400 ml Gesamtflüssigkeitsbedarf. Anders gerechnet: (Gewicht von 80 kg – 20) x15 +1500 = 2400 ml.

Sie kennen Ihre tägliche kcal-Menge? Gehen wir einmal von 2800 kcal aus, dann enthalten diese ca. 925 ml “versteckte” Flüssigkeit. Bei einem Gewicht von 80 kg und berechneten 2400 ml ziehen Sie die 925 ml vom Gesamtflüssigkeitsbedarf ab und Sie kommen auf eine Trinkmenge von etwa 1480 ml. Bei Kalorienreduktion werden Sie für sich eine entsprechend höhere Trinkmenge errechnen.



Die Kilorien oder das Soll und Haben auf Ihren Hüften:
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
5,00 von 5 Punkten, basieren auf 2 abgegebenen Stimmen.
Loading ... Loading ...

Über den Autor dieses Artikels: Lukas Müller

Lukas Müller ist Redakteur des Gesundheitsmagazins "HealthTimes Online". Seine Aufgabe besteht darin, neue gesundheitsfördernde Produkte ausfindig zu machen, sie zu untersuchen und das Ergebnis anschließend der Redaktion zu präsentieren.

Schreibe einen Kommentar